„Da ich ein wenig vor ihnen überkam, da fand ich, den meine Seele liebt. Ich halte Ihn, und will Ihn nicht lassen, bis ich Ihn bringe in meiner Mutter Haus, in meiner Mutter Kammer.“
Hohel. 3, 4.
Die erste Stellung ist: „Ich ging an ihnen vorüber“. Wir müssen die Gemeinschaft der besten Menschen dahinten lassen, um mit Ihm verkehren zu können, den unsere Seele liebt. Unsere Liebe muss zur Tat führen: „Ich suchte Ihn.“ Die Jesum lieben, suchen Ihn mit sehnsüchtigem Verlangen.
Nach diesem Suchen lesen wir zuerst: „Ich fand Ihn nicht.“ Traurige, aber notwendige Enttäuschung. Doch es währt nicht immer; wir kommen bald in das Gebiet unsres Textes, wo alles voll Sonnenlichtes ist. Drei Jubellaute folgen einander: „Ich fand Ihn“; „Ich halte Ihn“; „Ich bringe Ihn“. Möchte dies unsere freudige Erfahrung sein! Zu diesem Zweck lasst uns darüber nachdenken.
Er lässt sich zwingen. Siehe, wie oft sie während seines Erdenlebens Ihn nötigten, und wie Er ihrem Willen nachgab.
Die Liebe Jesu wirkt in unseren Herzen Liebe zu unseren Mitgläubigen um ihres Erlösers willen. Die Gemeinde Gottes ist unsere Mutter; der Heiligen Versammlung ist ihre Kammer, wo wir Gott geboren und in seiner Furcht erzogen wurden. Wir müssen bemüht sein, die Gemeinschaft mit Christo unter unseren Brüdern zu fördern, und Jesum mit uns nehmen, wenn wir in die Versammlungen der Gläubigen gehen.
Dies sollten wir tun:
Siehe, was die Gemeinde nötig hat! Christum in ihrer Mitte. Siehe, wie Er wahrscheinlich kommen wird! Er muss hinein gebracht werden.
Er muss gehalten werden. Der Ihn gefunden hat.
Siehe, was zuerst geschehen muss! Siehe, wer allein das tun kann! Doch siehe auch, wer Ihn finden kann!
Alle, die Ihn lieben und suchen. Gehören wir zu ihrer Zahl?
Halte Ihn, indem du dich hütest, Ihn zu beleidigen: 1. Durch Trägheit. Wenn die Seele schläfrig oder sorglos wird, geht Christus weg. 2. Durch Götzen. Ihr könnt zwei Gegenstände nicht halten. 3. Dadurch, dass ihr euch nicht heiligen lassen wollt. 4. Durch ein unheiliges Haus. „Ich bringe Ihn in meiner Mutter Haus“. Nimm Christum mit dir heim und lass Ihn in deinem Hause regieren. Wenn du draußen mit Christo verkehrst, aber Ihn nie mit heim nimmst, wird die Gemeinschaft bald aufhören. McCheyne.
„Ich fand Ihn“. Ich, ein Mensch, fand den Herrn der Herrlichkeit; ich, ein Sklave der Sünde, fand den großen Erretter; ich, ein Kind der Finsternis, fand das Licht des Lebens; ich, der Verlorenste, fand meinen Heiland und meinen Gott; ich, der Verlassene und Einsame, fand meinen Freund, meinen Geliebten, meinen Mann. Geht und tut desgleichen, ihr Söhne und Töchter Zions, und Er wird sich von euch finden lassen, so ihr Ihn von ganzem Herzen suchet.
Aber wir haben eine andere Mutter und andere Brüder in der menschlichen Familie, der wir entsprungen sind. Die Gemeinde hat das erste, nicht das einzige Anrecht auf unsere Liebe; die verlorene Welt hat zum großen Teil ihr Anrecht auf unser Mitleid und auf unsere Gebete. Verhältnismäßig ist es nicht schwer für uns, Christum in die Gemeinde zu bringen, welche sowohl seine als unsere Mutter ist. Aber die Welt hasst Christum, hat nichts mit Ihm gemein; sie fühlt, dass Er rechtmäßigen Anspruch auf Herrschaft hat, und sie hält ihre Türen Tag und Nacht vor Ihm verschlossen. Kein Verbrecher wacht so sorgfältig und fleißig gegen die Diener der Gerechtigkeit, keine einsame Witwe verschließt ihr Tor so sicher gegen den mitternächtlichen Räuber, kein Geizhals treibt den Bettler so hochmütig von seiner Tür hinweg, wie das unerneuerte Herz sich verschanzt gegen den Eintritt Jesu, und Ihn so spöttisch abweist, wenn Er um Einlass; bittet. Ihn deshalb ins Heim unserer Mutter einzuführen, ist ein Werk, das Anstrengung, Wachsamkeit, Geduld erfordert. Da ist vieles, das Ihn reizt, sich wegzuwenden; wir müssen flehen, Ihn halten und Ihn nicht lassen, und mit unserer Mutter Kindern müssen wir auch mit sanften Worten reden, denn sie stoßen sich ebenso leicht an uns, wie an Ihm. Hast du das versucht? Stehst du jetzt inmitten dieser Bemühungen? Wenn nicht, so erhebe dich und beginne ein solches Werk des Glaubens und die Arbeit der Liebe um der Verlornen willen. A. Moody Stuart.